Natürliche Gewässerauen leben von der Fließgewässerdynamik und den damit verbundenen periodischen Überschwemmungen.
In der Gewässerlandschaft des Dörrbaches wurde in den vergangenen Jahren nutzungsbedingt eingegriffen. Die landwirtschaftliche Nutzung, Entstehung und Entwässerung von Siedlungsgebieten und Industrieflächen führten zu einer leblosen, statischen Auenlandschaft.
Die vorgesehene Renaturierung des Dörrbaches vom Quellgebiet bis zur Mündung durch gezielt angesetzte Maßnahmen soll dabei der Anstoß für eine Revitalisierung des Flussgebietes sein.
Als erstes Planungsziel ist zu nennen, dass stark geschädigte Gewässerstrecken neu gestaltet und damit wieder in einen naturnahen Zustand zurückversetzt werden.
Weiterhin ist die Vernetzung aller aneinandergrenzender Ökosysteme ein lohnenswertes angestrebtes Ziel. Hierbei ist das Gewässersystem als Einheit zu betrachten, um einen wirksamen Gewässerschutz zu erhalten.
Die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung sind bei der Erstellung von Lösungskonzepten stets zu berücksichtigen. So sind für den Dörrbach an erster Stelle die Ursachen für die starke Sohlenerosion zu beseitigen. In einem ersten Schritt sind dies die Beseitigung des hydraulischen Stress für das Gewässer durch die Verringerung der Einleitwassermenge und das Herstellen eines natürlichen Erdbeckens.
Die Gewässersohle soll wieder soweit angehoben werden, dass kleinere Hochwässer wieder ausufern können.
Die Gewässersohle wird aus einer Steinschüttung mit natürlichem, runden, lokalem Gestein gebildet.
In regelmäßigen Abständen werden höhengleiche Querriegel aus massiven Einzelsteinen eingebaut um eine statisch aussteifende Wirkung in das Gesteinsmaterial zu bringen.
Außerdem soll die landwirtschaftliche Nutzung aus dem unmittelbaren Uferbereich ferngehalten werden. Hierzu wird ein beidseitiger Gewässerrandstreifen von 5 bis 10 m Breite ausgewiesen.
Um im Unterlauf wieder eine entwicklungsfähige Vegetation zu erreichen, soll eine Entfichtung in dem Nadelbaumbestand stattfinden. Der gesamte Bestand wurde gerodet und der freien Sukzession zu überlassen.
So ist ebenfalls in die Sohle des Durchlasses der L 60 Sohlsubstrat einzubringen und eine ökologische Durchgängigkeit wieder herzustellen.
Durch punktuelle Initialpflanzungen, wie Erlen und Eschen oberhalb des erwarteten Mischwasserspiegels, lässt sich die zukünftige Ufervegetation fördern. Neben der Förderung der Ufervegetation hat dieser auch die Aufgabe der zukünftigen hydraulischen Sicherung vor Ufererosion und zur Beschattung der Wasserfläche. Weiterhin dient diese Vegetation als Lebens- Zufluchtsraum für vielfältige Organismen.
Auf das Einbringen von sonstiger Vegetation (z.B. Lebendverbau, Graseinsaat, etc.) wird bewusst verzichtet, um der gewünschten Sukzession freien Lauf zu lassen.
Renaturierung des Dörrbaches
Ortsgemeinde Großlittgen